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Forschungsergebnisse zum Töpferofen

Autor: Elisabeth Krieger
Lisa Krieger beim Reinigen der Fundstücke Lisa Krieger beim Reinigen der Fundstücke © 2013 AFD/Maria Surges
Forschungsergebnisse zum Töpferofen in der römischen Villenanlage von Duppach-Weiermühle

Nachdem im Sommer 2010 die letzten archäologischen Maßnahmen im Bereich der Villenanlage von Duppach-Weiermühle durchgeführt wurden und die Funde aus dieser Grabung im Sommer 2011 mit Hilfe zahlreicher Vereinsmitglieder gewaschen werden konnten, wurden auf der diesjährigen Mitgliederversammlung die Forschungsergebnisse bezüglich des Töpferofens vorgestellt:

Der nord-süd-ausgerichtete Töpferofen bestand aus einer ovalen Feuerkammer im Norden, einem Schürkanal und einer abfallend angelegten Arbeitsgrube im Süden. Im Feuerraum befand sich eine Zungenmauer, die an die Ofenwandung heranreichte. Auf ihr hat ursprünglich die Lochtenne aufgelegen, die nicht mehr erhalten ist. Die Feuerkammer, der Schürkanal und ein Teil der Arbeitsgrube waren mit Tuffstein ausgekleidet, der weit feuerbeständiger war als der anstehende Sandstein, in den der Ofen eingetieft war. Insgesamt handelt es sich bei dieser Ofenform um eine häufig vertretenden Typ in römischer Zeit, da er einfach aber effektiv war.

Das Aufgehende ist nicht mehr erhalten und kann nur noch rekonstruiert werden. Hierbei helfen verschiedenen Funde. Zum einen lassen mehrere keilförmige Formsteine darauf schließen, dass sich über der Lochtenne eine Bogenkonstruktion befunden hat.

Vor allem die vielen Wölbtöpfe legen eine Rekonstruktion des Ofens mit einem Kuppelaufbau nahe. Sie wurden ineinander gesteckt und formten so ein Gewölbe, das mit Lehm verstrichen wurde. Unklar bleibt jedoch, ob die gesamte Kuppel aus Wölbtöpfen bestand oder nur ein Teil.

Unter den Wölbtopf-Funden stechen einige Stücke heraus. Die Wölbtöpfe mit einem Loch im Boden beugten einer Überhitzung innerhalb der Kuppel vor und verhinderten einen Defekt dieser. Ein Wölbtopf mit rechteckig eingeschnittenem Loch in der Wandung könnte Teil einer Konstruktion gewesen sein, die mehrere Wölbtöpfe mit einander verband und so ein leichteres Befüllen und Entleeren der Brennkammer ermöglichte. Es könnte aber auch der schnelleren Abkühlung des Ofens gedient haben, in dem einzelne Wölbtöpfe aus der Ofenwandung herausgenommen wurden. Dies hätte allerdings starke Temperaturschwankungen für das Stück zur Folge, wogegen der Erhaltungszustand des Topfes spricht.

Bei der aus der Verfüllung des Ofens geborgenen Keramik handelt es sich um größtenteils vor Ort produzierter Keramik, die als Fehlbrände in den Ofen gelangten. Es lassen sich dabei mehrere Warenarten unterteilen. Zum einen kann in Rote und Weiße Ware unterschieden werden. Innerhalb dieser Warenarten kann anhand der Magerungszusätze weiter differenziert werden. Solche Magerungszusätze wurden hinzugegeben um eine bessere Plastizität des Tons zu erreichen. Das Formenspektrum entspricht einem für eine villa rustica zu erwartenden Spektrum: dominierend sind Töpfe, Schüsseln und Teller.

Brennofen 2.09.10Besonders hervorgehoben werden müssen die vielen Fragmente von Standamphoren. Durch diese können erste Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Produktion innerhalb der Villenanlage zum Ende des 2. Jh. getroffen werden. Sie belegen, dass etwas innerhalb des Villenbetriebes hergestellt worden sein musste, das in diesen Amphoren aufbewahrt und vermutlich auch verhandelt wurde. Da Wein im größeren Umfang in der Region um Duppach nicht angebaut werden konnte, kann Bier als Möglichkeit angenommen werden. Es war ein sehr beliebtes Getränk in den Nordwestprovinzen und stellte eine klare Alternative zum Wein dar. Archäologisch kann die Bierproduktion für Duppach noch nicht belegt werden. Archäobotanische Untersuchungen fehlen und bauliche Strukturen, die auf Bierproduktion hinweisen könnten, sind bislang noch nicht erfasst. Jedoch kann sich dieses Bild durch weitere Forschungen verändern.

Der Ofen selbst scheint über mehrere Jahre betrieben worden zu sein. Der Aufwand zum Bau des Ofens (also das Eintiefen in den anstehenden Sandstein, der Kuppelbau, für den extra die Wölbtöpfe produziert werden mussten, und die Auskleidung mit Tuffstein) war zu groß, um nur eine Saison als Betriebsdauer anzunehmen.

Von der Töpferarbeit scheint auch die nähere Umgebung profitiert zu haben. An verschiedenen anderen Fundstellen konnte ebenfalls Duppacher Ware festgestellt werden. Dabei beschränkt sich die Verbreitung auf den Bereich nordöstlich und östlich von Duppach-Weiermühle, also entlang der Fernstraße Köln-Trier.

Insgesamt deutet der Ofen auf indirekte Weise auf die wirtschaftliche Grundlage des Villenkomplexes zum Ende des 2. Jh. hin, also in eine Zeit, in der über die Villenbewohner nur bekannt ist, dass sie wohlhabend waren; woher dieser Wohlstand kam, jedoch noch unklar ist.

Gelesen 833 mal Stand: 30.01.2015
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