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Brot und Scherben

DUPPACH-WEIERMÜHLE. Erneut ein Besucheransturm: Wie bei der Veranstaltungen in den Vorjahren kamen auch diesmal bei der Präsentation der Funde erneut fast 1000 Interessierte zur Grabungsstätte nach Duppach-Weiermühle. Und was sie sahen, erstaunte viele.

"Wir haben sie, die römische Villa, jedenfalls einen Teilbereich davon", rief Grabungsleiter Peter Henrich von der Uni Köln freudig den Interessierten entgegen. Denn unweit der Villa stießen die Archäologen auf eine Grabkammer mit ein Meter dicken Mauern.

Gerade rechtzeitig zum "Tag der offenen Tür" präsentierte das Archäologenteam die aktuellen Ergebnisse seiner Grabungen. Das freute die Gäste. Annemie Düx aus Konz sagte: "Erstaunlich, was hier mit wenig Aufwand geleistet wird." Das Ehepaar Thomas aus Cuxhaven, das im Gerolsteiner Land Urlaub machte und sich spontan einem Ausflug des Eifelvereins angeschlossen hatte, meinte: "Wir sind begeistert über die Funde und werden den Fortgang der Ausgrabungen weiter verfolgen."

Fördervereins-Vorsitzende findet Andrang prima

AbbErfreut war angesichts des großen Interesses auch Maria Surges, Vorsitzende des Archäologischen Fördervereins Duppach: "Dieser Besucherandrang und auch das Interesse an den erstmalig in diesem Jahr angebotenen Führungen für Kinder sind einfach fantastisch."

Das Archäologenteam war bester Laune. Schließlich wurden bei den fünfeinhalb Wochen dauernden Grabungen in diesem Jahr weitere Teile der Villa Rustica gefunden. Nun hoffen die Experten, die gesamte Anlage ausfindig zu machen.

Die Frontbreite der Villa aus dem 2. Jahrhundert nach Christus beträgt 50 bis 60 Meter. Henrich: "Der steinreiche Bewohner der Villa war vermutlich Mitglied im Stadtrat Trier."

Bei den Grabungen geholfen haben auch Schüler des St. Matthias Gymnasium Gerolstein. Titus van Issum (14) berichtete: "Es wird nach festen Regeln vorgegangen. Dazu gehört das Entfernen der Humusschichten und an Schnittstellen das Abkratzen der Erde."

Seit 1921 ist bekannt, dass auf "Bremscheid" - so heißt das Gebiet, in dem gegraben wird - Tonscherben lagern. "Vor Jahren hat mein Mann gezielt nach diesen Oberflächenfunden Ausschau gehalten und die Fundstücke nach Trier in das Landesmuseum gebracht", erzählt Maria Surges. Das war der Beginn der systematischen Erforschung der Siedlungsgeschichte von Duppach-Weiermühle durch Hobby-Archäologen und Wissenschaftlern.

Die Mitglieder des Archäologischen Vereins Duppach halfen tatkräftig mit. Dass man eine gut erhaltene, abgetretene Türschwelle aus heimischem Sandstein fand, ist für die Forscher ein Indiz für das längere Bestehen der Anlage. Grabungsleiter Henrich vermutet: "Durch veränderte Besitzverhältnisse oder Germaneneinfälle verließen die Bewohner im 4. Jahrhundert nach Christus ihre Heimstatt. Die Nachfolgenden hinterließen Wetz- und Schleifsteine, Scheren und Tonscherben - das tägliche Brot der Archäologen - und vermutlich einen Trichter zum Gießen von Metall."

Weiterhin erstaunlich ist: Die damaligen Bewohner hatten sogar Drainagen verlegt - und daraus tritt heute noch Wasser aus.

Einblicke in alte Lebensweisen

Begeistert war Anne-Kathrin Kallenberg, Zehntklässlerin des Gerolsteiner Gymnasiums, die in Duppach mitgegraben hat: "Erstaunlich, was man an einem Tag so alles zu sehen bekommt - von Münzen über Schlacke bis hin zu Nägeln - und dadurch einen besseren Einblick in die Lebensweise dieser Menschen erhält." Auch Aschereste grobkörniger Backwaren hatte das Team gefunden. Ganz nach dem Geschmack der vielen Hobby-Archäologen waren die zahlreichen Schautafeln und Infostände, an denen die Grabungsergebnisse der vergangenen beiden Jahren ausführlich dokumentiert waren. Das passte. Ebenso das Wetter: Erst kurz nach Ende der letzten Führung begann es zu regnen.

Weitere Informationen

  • Medium: Trierischer Volksfreund
  • Ausgabe: 25.06.2004
  • Autor: Felicitas Schulz
Gelesen 734 mal Stand: 08.02.2015